„Inklusion lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen“

Netzwerk für Menschen mit Behinderung der CDU Nordrhein-Westfalen besucht die Diakonie Michaelshoven in Köln

Köln. Wie gelingt gelebte Inklusion in einem der größten sozialen Unternehmen Nordrhein-Westfalens? Welche politischen Rahmenbedingungen brauchen soziale Träger, um Menschen mit Behinderung auch künftig bestmöglich begleiten zu können? Mit diesen Fragen war das Netzwerk für Menschen mit Behinderung der CDU Nordrhein-Westfalen im Rahmen seiner landesweiten „Zuhören. Verstehen. Inklusion gestalten.“-Tour zu Gast bei der Diakonie Michaelshoven in Köln-Rodenkirchen.

Mittelpunkt des Besuchs standen der intensive Austausch mit dem theologischen Vorstand Reiner Schmidt und seinem Team sowie ein Blick hinter die Kulissen eines Sozialunternehmens, das jeden Tag für Teilhabe, Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Zusammenhalt arbeitet.

Simone Behnke - Diakone MichaelshovenSimone Behnke - Diakone Michaelshoven

Ein Ort mit Geschichte und Zukunft

Die Diakonie Michaelshoven ist weit mehr als ein moderner Sozialträger. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich auf dem Gelände eines ehemaligen Lazaretts ein Ort, der seit Jahrzehnten Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleitet und unterstützt.

Heute ist daraus eines der größten Sozialunternehmen Nordrhein-Westfalens entstanden. Rund 3.500 Mitarbeitende aus mehr als 50 Nationen begleiten jedes Jahr etwa 23.000 Menschen – von Kindern und Jugendlichen über Familien bis hin zu Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Behinderung.

Bei einem Rundgang über den Campus wurde deutlich, wie sich historische Gebäude und moderne Konzepte verbinden. Neue Wohnformen, innovative Pflegeangebote und nachhaltige Infrastrukturprojekte zeigen, dass soziale Verantwortung und Zukunftsfähigkeit Hand in Hand gehen können.

Inklusion als gelebter Alltag

Ein besonderer Schwerpunkt des Austauschs war die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung.

Die Diakonie Michaelshoven beschäftigt Menschen mit Behinderung in unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens – von der Hauswirtschaft über die Küche bis hin zu weiteren Arbeitsfeldern. Darüber hinaus arbeitet sie eng mit Werkstätten für Menschen mit Behinderung zusammen und schafft betriebsintegrierte Arbeitsplätze, um Übergänge auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Mit einer Schwerbehindertenquote von nahezu acht Prozent wird deutlich, dass Inklusion hier nicht als Pflichtaufgabe verstanden wird, sondern selbstverständlich zum Selbstverständnis des Unternehmens gehört.

Benjamin Daniel Thomas zeigte sich davon beeindruckt:

„Inklusion beginnt dort, wo Menschen nicht auf ihre Behinderung reduziert werden, sondern ihre Fähigkeiten gesehen werden. Genau diese Haltung habe ich bei der Diakonie Michaelshoven erlebt. Sie zeigt, dass Teilhabe gelingt, wenn der Mensch im Mittelpunkt steht.

Innovation braucht gute Rahmenbedingungen

Neben den vielfältigen sozialen Angeboten standen auch aktuelle Zukunftsprojekte im Mittelpunkt des Besuchs.

Vorgestellt wurden unter anderem das neue Gertrud-Koch-Haus für Menschen mit hohem Assistenzbedarf, moderne Konzepte der Pflegeausbildung sowie Investitionen in nachhaltige Energieversorgung und Digitalisierung.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass soziale Innovationen nur gelingen können, wenn die politischen und finanziellen Rahmenbedingungen stimmen. Steigende Kosten, Fachkräftemangel und vielfach unzureichende Refinanzierungen stellen viele soziale Träger vor erhebliche Herausforderungen.

Benjamin Daniel Thomas betonte:

„Wer Inklusion, Pflege und soziale Teilhabe stärken will, muss auch die Einrichtungen stärken, die diese Aufgaben jeden Tag übernehmen. Es braucht verlässliche Finanzierung, weniger Bürokratie und politische Entscheidungen, die Innovation ermöglichen statt sie auszubremsen.

Wertvolle Impulse für die politische Arbeit

Für das Netzwerk war der Besuch weit mehr als ein Informationsgespräch. Ziel der Tour ist es, die Erfahrungen von Verbänden, Unternehmen, Einrichtungen und Selbstvertretungen unmittelbar in die politische Arbeit einzubringen.

Der offene Austausch machte deutlich, wie viele gute Ideen bereits heute in der Praxis entstehen – aber auch, an welchen Stellen gesetzliche Vorgaben und Verwaltungsverfahren verbessert werden müssen.

Zum Abschluss des Besuchs zog Benjamin Daniel Thomas ein positives Fazit:

„Mich haben die Offenheit, die Innovationskraft und vor allem die Menschen beeindruckt, die hier jeden Tag Verantwortung übernehmen. Solche Gespräche sind unglaublich wertvoll, weil sie den Blick auf die Realität schärfen. Genau deshalb haben wir unsere Tour gestartet: zuhören, verstehen und daraus konkrete politische Lösungen entwickeln. Ich nehme viele Anregungen mit und komme sehr gerne wieder.“

Gemeinsam Inklusion gestalten

Der Besuch bei der Diakonie Michaelshoven hat einmal mehr gezeigt, dass Inklusion keine abstrakte politische Forderung ist. Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, neue Wege gehen und jeden Tag daran arbeiten, Teilhabe möglich zu machen.

Die Erkenntnisse aus dem Austausch werden nun in die weitere Arbeit des Netzwerks für Menschen mit Behinderung der CDU Nordrhein-Westfalen und in die Erarbeitung politischer Konzepte für Nordrhein-Westfalen einfließen.

 

Infokasten: „Zuhören. Verstehen. Inklusion gestalten.“

Mit der landesweiten Tour besucht das Netzwerk für Menschen mit Behinderung der CDU Nordrhein-Westfalen Verbände, soziale Einrichtungen, Unternehmen, Selbstvertretungen und wissenschaftliche Institutionen in ganz Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus.

Ziel ist es, erfolgreiche Praxis kennenzulernen, Herausforderungen offen zu diskutieren und gemeinsam Ideen für eine moderne Inklusionspolitik zu entwickeln. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen unmittelbar in die politische Arbeit des Netzwerks sowie in die programmatische Weiterentwicklung der CDU Nordrhein-Westfalen ein.

„Gute Inklusionspolitik entsteht nicht am Schreibtisch. Sie entsteht im Gespräch mit den Menschen, die Teilhabe jeden Tag ermöglichen.“ – Benjamin Daniel Thomas