WorldPride 2026: Warum Pride auch heute noch notwendig ist
Die WorldPride 2026 findet in Amsterdam ihren Höhepunkt. Für viele Menschen ist sie ein Fest der Vielfalt, der Freiheit und der Sichtbarkeit. Doch sie ist weit mehr als das: Sie erinnert uns daran, dass die Rechte von LGBTQ+-Menschen weltweit noch immer keine Selbstverständlichkeit sind.
Immer wieder werde ich gefragt, ob es heute überhaupt noch einen Pride braucht. Meine Antwort ist eindeutig: Ja.
63 Fahnen – 63 Staaten ohne Freiheit
Wer in diesen Tagen über den Museumplein in Amsterdam geht, begegnet dort 63 Fahnen. Sie stehen für die Staaten, in denen Homosexualität bis heute kriminalisiert wird. In einigen dieser Länder droht Menschen allein wegen ihrer Liebe die Todesstrafe.
Diese Fahnen machen deutlich: Der Einsatz für Freiheit, Menschenwürde und gleiche Rechte ist nicht abgeschlossen. Solange Menschen verfolgt, eingesperrt oder getötet werden, weil sie lieben, dürfen wir nicht so tun, als sei Gleichberechtigung bereits erreicht.
Menschenwürde als politischer Maßstab
Als Christdemokrat leite ich meine politische Überzeugung aus einem einfachen Grundsatz ab: Die Würde jedes Menschen ist unantastbar.
Jeder Mensch hat das Recht, frei, selbstbestimmt und ohne Angst zu leben. Dieses Recht gilt unabhängig von Herkunft, Religion, Behinderung, sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität.
Pride als Bekenntnis zu Demokratie und Freiheit
Deshalb sind Prides weit mehr als bunte Paraden. Sie sind ein sichtbares Bekenntnis zu Freiheit, Demokratie und Menschenrechten.
Sie erinnern uns daran, dass Gleichberechtigung nie selbstverständlich ist. Jede Generation trägt die Verantwortung, sie zu verteidigen.
Menschenrechte gelten für alle – oder für niemanden
Der Einsatz für die Rechte der LGBTQ+-Community ist nicht nur eine Aufgabe der Betroffenen. Er ist ein Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaat und Menschenwürde.
Menschenrechte gelten entweder für alle – oder sie verlieren ihre Glaubwürdigkeit. Deshalb braucht es Menschen, die Haltung zeigen, Solidarität leben und sich gemeinsam für Freiheit, Respekt und gleiche Rechte einsetzen.
Die Geschichte zeigt: Rechte sind nie selbstverständlich
Die Geschichte der queeren Bürgerrechtsbewegung zeigt, wie fragil diese Errungenschaften sind.
Jahrzehntelang waren Diskriminierung, Ausgrenzung und strafrechtliche Verfolgung auch in Europa Realität. Der Weg zur rechtlichen Gleichstellung war lang und hart erkämpft – und ist in vielen Teilen der Welt bis heute nicht abgeschlossen.
Gerade deshalb sind Erinnerung und politisches Engagement unverzichtbar.
Gewalt und Hass sind auch heute Realität
Der Anschlag in Berlin am vergangenen Samstag hat uns auf erschütternde Weise vor Augen geführt, dass Hass und Gewalt gegen queere Menschen auch in unserer Gesellschaft nicht überwunden sind.
Er ist ein Angriff auf Menschen, die sichtbar und frei leben wollen – und damit auch ein Angriff auf unsere demokratischen Grundwerte.
Denn eine Demokratie misst sich nicht nur an ihren Gesetzen, sondern daran, wie sicher sich alle Menschen in ihr fühlen können.
Solche Taten zeigen: Sichtbarkeit erfordert weiterhin Mut. Und Solidarität darf keine abstrakte Haltung sein, sondern muss konkrete Verantwortung bedeuten.
Persönliche Verantwortung und politische Überzeugung
Als schwuler Christdemokrat ist dieses Thema für mich untrennbar mit meinem eigenen Leben verbunden.
Der Einsatz für Akzeptanz, Respekt und gleiche Rechte ist für mich nicht nur politische Überzeugung, sondern Teil meiner eigenen Geschichte und meines Verständnisses von Demokratie.
Ich weiß, wie wichtig es ist, offen zu dem Menschen stehen zu können, den man liebt. Und ich weiß zugleich, welches Privileg es ist, dies in Deutschland weitgehend selbstverständlich leben zu können.
Dieses Privileg haben Millionen Menschen weltweit nicht. Viele müssen ihre Identität verstecken. Andere werden verfolgt, inhaftiert oder leben in ständiger Angst.
Eine Stimme für die, die keine haben
Gerade deshalb möchte ich meine Stimme nutzen – nicht nur für diejenigen, die frei leben können, sondern auch für diejenigen, denen diese Freiheit verwehrt bleibt.
Eine starke Demokratie zeigt sich nicht daran, wie sie mit Mehrheiten umgeht, sondern daran, wie konsequent sie die Rechte von Minderheiten schützt.
Freiheit und Menschenwürde dürfen niemals vom Wohlwollen einer Mehrheit abhängen.
Inklusion als gemeinsamer Kern
Mein Einsatz für Inklusion, Teilhabe und die Rechte von Menschen mit Behinderung war für mich immer Ausdruck dieser Überzeugung.
Dasselbe gilt für den Einsatz gegen Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung. Es geht immer um denselben Kern: Jeder Mensch besitzt die gleiche Würde und verdient die gleichen Chancen – unabhängig davon, wer er ist oder wen er liebt.
Verantwortung endet nicht an Grenzen
Die WorldPride erinnert uns daran, dass wir auf Erreichtes stolz sein dürfen. Gleichzeitig erinnert sie uns daran, dass unsere Verantwortung nicht an den Grenzen Deutschlands endet.
Solange es auch nur ein Land gibt, in dem Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden, dürfen wir nicht schweigen.
Liebe ist ein Menschenrecht
Denn Liebe ist kein Verbrechen.
Sie ist ein Menschenrecht.
Und ich bin überzeugt: Am Ende wird die Liebe gewinnen.
Happy Pride! 🏳️🌈