80 Jahre Nordrhein-Westfalen – meine Heimat, unser Zuhause

Am 23. August 1946 wurde Nordrhein-Westfalen gegründet. Acht Jahrzehnte später ist unser Land weit mehr als eine politische oder geografische Einheit. Nordrhein-Westfalen ist ein Land der Vielfalt, der Gegensätze, des Zusammenhalts und des stetigen Wandels. Für mich persönlich ist es aber vor allem eines: meine Heimat.

Ich bin hier zu Hause, hier bin ich verwurzelt und mit diesem Land verbinde ich unzählige persönliche Erfahrungen, Begegnungen und Erinnerungen. Nordrhein-Westfalen prägt mich – und ich liebe dieses Land gerade deshalb, weil es so vielfältig, manchmal widersprüchlich und gleichzeitig so unverwechselbar ist.

Ein Land, das von seiner Vielfalt lebt

Nordrhein-Westfalen lässt sich nicht auf eine einzelne Region, eine Landschaft oder eine Mentalität reduzieren. Genau darin liegt seine besondere Stärke.

Da ist das Rheinland mit seiner Offenheit, seiner Lebensfreude und seinen Metropolen. Da ist Westfalen mit seinen starken Städten, seinen ländlichen Regionen und einer ausgeprägten Verbundenheit mit Tradition und Heimat. Da ist das Ruhrgebiet, dessen Geschichte wie kaum eine andere Region für Arbeit, Industrie, gesellschaftlichen Wandel und die Fähigkeit steht, sich immer wieder neu zu erfinden. Hinzu kommen das Münsterland, der Niederrhein, das Sauerland, Ostwestfalen-Lippe, das Bergische Land, die Eifel und viele weitere Regionen mit ihrer jeweils eigenen Identität.

Sie alle sind unterschiedlich – und trotzdem gehören sie zusammen.

Für mich ist genau das Nordrhein-Westfalen: Ein Land, das Unterschiede nicht als Schwäche verstehen muss, sondern aus ihnen seine Stärke beziehen kann.

Vom Industrieland zum Land der Transformation

Die Geschichte Nordrhein-Westfalens ist eng mit Kohle, Stahl und Industrie verbunden. Generationen von Menschen haben mit ihrer Arbeit dazu beigetragen, den Wohlstand unseres Landes und der gesamten Bundesrepublik aufzubauen.

Fördertürme, Hochöfen und große Industrieanlagen prägen bis heute das Bild vieler Regionen und sind Teil unserer gemeinsamen Geschichte. Gleichzeitig wäre es falsch, Nordrhein-Westfalen ausschließlich über seine industrielle Vergangenheit zu definieren.

Unser Land hat immer wieder bewiesen, dass es Veränderung kann.

Aus ehemaligen Industriestandorten sind Orte der Kultur, der Wissenschaft, der Kreativwirtschaft und neuer Technologien entstanden. Hochschulen, Forschungszentren, mittelständische Unternehmen, internationale Konzerne, Handwerk, soziale Einrichtungen und eine starke Zivilgesellschaft prägen Nordrhein-Westfalen heute ebenso wie das industrielle Erbe.

Diese Fähigkeit zur Transformation gehört für mich zum Kern unseres Landes: Wir respektieren unsere Geschichte, aber wir bleiben nicht in ihr stehen.

Zusammenhalt ist Teil der Identität unseres Landes

Nordrhein-Westfalen wäre ohne die Menschen, die hier leben, nicht das Land, das wir kennen.

Menschen aus unterschiedlichen Regionen, Generationen, Religionen, Kulturen und Lebensentwürfen haben NRW geprägt. Viele Familien leben seit Generationen hier. Andere sind aus anderen Teilen Deutschlands, Europas oder der Welt hinzugekommen und haben Nordrhein-Westfalen zu ihrer Heimat gemacht.

Gerade das Ruhrgebiet zeigt beispielhaft, wie sehr Migration, Arbeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt zur Geschichte unseres Landes gehören.

Nordrhein-Westfalen steht deshalb für mich für eine Gesellschaft, in der Herkunft nicht darüber entscheiden darf, ob jemand dazugehört.

Heimat bedeutet für mich nicht Abgrenzung. Heimat bedeutet Verbundenheit.

Man kann seine Heimat lieben und gleichzeitig offen gegenüber anderen Menschen sein. Mehr noch: Ein selbstbewusstes Nordrhein-Westfalen muss beides miteinander verbinden können – Identität und Weltoffenheit, Tradition und Veränderung, Heimatverbundenheit und Vielfalt.

Ein Nordrhein-Westfalen für alle Menschen

Zu meinem Verständnis von Nordrhein-Westfalen gehört untrennbar auch die Frage, wie wir miteinander leben wollen.

Ein starkes Land zeigt seine Stärke nicht allein an Wirtschaftszahlen, Infrastruktur oder technologischer Entwicklung. Es zeigt sie auch daran, ob wirklich alle Menschen die Möglichkeit erhalten, selbstbestimmt und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Deshalb gehören Inklusion, Barrierefreiheit und Teilhabe für mich selbstverständlich zu einem modernen Nordrhein-Westfalen.

Menschen mit Behinderungen müssen überall selbstverständlich dazugehören können: in Schulen und Hochschulen, auf dem Arbeitsmarkt, im öffentlichen Raum, im Sport, in der Kultur, in der Politik und in allen anderen Bereichen unserer Gesellschaft.

Inklusion ist keine zusätzliche Aufgabe, die man erledigt, wenn noch Zeit und Geld vorhanden sind. Sie ist Ausdruck der Menschenwürde und eines grundlegenden Verständnisses davon, wie eine demokratische Gesellschaft funktionieren sollte.

Mein Wunsch für die kommenden Jahrzehnte ist deshalb ein Nordrhein-Westfalen, das Barrieren konsequent abbaut und jedem Menschen die Chance gibt, seine Fähigkeiten einzubringen.

Demokratie, Freiheit und Verantwortung

Achtzig Jahre Nordrhein-Westfalen bedeuten auch achtzig Jahre demokratische Entwicklung.

Unser Bundesland wurde wenige Monate nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur gegründet. Aus den Trümmern des Krieges entstand Schritt für Schritt ein demokratisches, freies und wirtschaftlich starkes Land.

Diese Entwicklung war keineswegs selbstverständlich.

Demokratie lebt von Menschen, die sich einbringen. In Parteien, Vereinen, Verbänden, Kirchen, Gewerkschaften, Initiativen, Kommunalpolitik oder ehrenamtlichen Strukturen übernehmen jeden Tag unzählige Menschen Verantwortung für ihre Mitmenschen und ihr unmittelbares Umfeld.

Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung sollten wir uns daran erinnern, dass Demokratie vom Mitmachen lebt.

Nordrhein-Westfalen steht für unterschiedliche Meinungen und politische Überzeugungen. Aber es muss zugleich ein Land bleiben, in dem Menschenwürde, Freiheit, Respekt und demokratische Grundwerte nicht zur Disposition stehen.

Tradition und Zukunft gehören zusammen

Nordrhein-Westfalen besitzt eine enorme kulturelle Vielfalt.

Der Kölner Dom, das industrielle Erbe des Ruhrgebiets, die Düsseldorfer Rheinuferpromenade, Schlösser und historische Altstädte, Karneval und Schützenwesen, Fußballvereine mit jahrzehntelanger Tradition, Museen, Theater, Konzerthäuser und eine lebendige freie Kulturszene – all das gehört zu diesem Land.

Genauso gehören aber Wissenschaft, Digitalisierung, Start-ups, Zukunftstechnologien, Klimaschutz und neue Formen des Arbeitens dazu.

NRW muss deshalb auch in Zukunft ein Land bleiben, das Tradition nicht gegen Fortschritt ausspielt.

Wir können stolz auf das sein, was Generationen vor uns geschaffen haben, und trotzdem den Anspruch haben, unser Land weiterzuentwickeln.

Denn Heimat ist nichts Starres. Heimat verändert sich mit den Menschen, die in ihr leben.

Warum ich Nordrhein-Westfalen liebe

Meine Verbundenheit zu Nordrhein-Westfalen entsteht nicht daraus, dass hier alles perfekt wäre.

Natürlich gibt es Herausforderungen. Unsere Infrastruktur muss moderner werden. Wir müssen den Wirtschaftsstandort stärken, Bürokratie reduzieren, Bildung verbessern, gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und den Strukturwandel weiter gestalten. Auch bei Barrierefreiheit und Inklusion liegt noch viel Arbeit vor uns.

Aber Heimatliebe bedeutet für mich nicht, Probleme auszublenden.

Im Gegenteil: Wer seine Heimat liebt, möchte sie besser machen.

Ich liebe Nordrhein-Westfalen wegen seiner Menschen. Wegen seiner Regionen. Wegen der Mischung aus Bodenständigkeit und Offenheit. Wegen seiner industriellen Geschichte und seiner Fähigkeit zum Wandel. Wegen seiner Städte und Landschaften. Wegen des manchmal rauen, aber häufig sehr herzlichen Umgangs miteinander.

Und ich liebe NRW, weil dieses Land immer wieder zeigt, dass Unterschiede und Zusammenhalt kein Widerspruch sein müssen.

80 Jahre Nordrhein-Westfalen sind auch ein Auftrag

Ein achtzigster Geburtstag ist ein Anlass zum Feiern. Er ist aber ebenso ein Moment, zurückzublicken und darüber nachzudenken, wohin wir gemeinsam gehen wollen.

Ich wünsche mir für die kommenden Jahrzehnte ein Nordrhein-Westfalen, das wirtschaftlich stark und sozial verantwortlich ist. Ein Land, das Innovation ermöglicht und niemanden zurücklässt. Ein Land, das Vielfalt als Realität anerkennt und Zusammenhalt aktiv gestaltet.

Ein Nordrhein-Westfalen, in dem Kinder unabhängig von ihrer Herkunft gute Bildungschancen erhalten. In dem Menschen mit Behinderungen selbstverständlich und gleichberechtigt teilhaben. In dem Unternehmen gute Bedingungen vorfinden und Arbeitsplätze entstehen. In dem Stadt und Land gleichermaßen Perspektiven haben. Und in dem Menschen gerne Verantwortung füreinander übernehmen.

Nordrhein-Westfalen ist meine Heimat. Hier bin ich zu Hause. Und ich bin überzeugt davon, dass dieses Land auch nach acht Jahrzehnten noch unglaublich viel Zukunft vor sich hat.

Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag, Nordrhein-Westfalen.

Auf unsere Heimat. Auf unseren Zusammenhalt. Und auf die nächsten 80 Jahre NRW.